Von Mario Shai Aguado González

Ein neues Modell der digitalen Identität in Mexiko
Am 16. Juli 2025 wurde im Amtsblatt der Föderation eine der bedeutendsten Reformen im Bereich der Bürgeridentifizierung veröffentlicht: die Aufnahme biometrischer Daten in die einheitliche Bevölkerungsregistrierungsnummer (CURP).
Damit beginnt Mexiko mit dem Aufbau eines nationalen Systems für digitale Identitätsnachweise, das auf Fingerabdrücken und einem Lichtbild basiert und vom Innenministerium (SEGOB) über das Nationale Bevölkerungsregister (RENAPO) verwaltet wird.
Das Ziel ist klar: Es soll ein einziges Dokument in physischer und digitaler Form geben, mit dem die Identität von Personen bei allen behördlichen und privaten Vorgängen überprüft werden kann.
Was ändert sich durch die Reform des Allgemeinen Bevölkerungsgesetzes?
Mit der Reform wurden die Artikel 91a bis 91f und 114a in das Allgemeine Bevölkerungsgesetz (LGP) aufgenommen, die die rechtlichen Grundlagen des neuen Systems festlegen.
Zu den wichtigsten Änderungen zählen:
- Obligatorischer nationaler Ausweis:
Die biometrische CURP wird zum landesweit allgemein anerkannten offiziellen Ausweisdokument. - Interoperabilität im öffentlichen Sektor:
Dies ermöglicht die Anbindung an nationale Register in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Sozialversicherung und gewährleistet so den Informationsaustausch zwischen öffentlichen Einrichtungen. - Einrichtung einer einheitlichen Identitätsplattform:
Zentralisiert die Verwaltung, Validierung und Authentifizierung der digitalen Identität unter der Kontrolle des SEGOB. - Ausweitung auf den privaten Sektor:
Sobald das System vollständig eingeführt ist, sind alle öffentlichen Einrichtungen und Privatpersonen verpflichtet, bei der Erledigung von Behördengängen und der Inanspruchnahme von Dienstleistungen die biometrische CURP anzufordern. - Sanktionsregelung:
Artikel 114 Bis sieht Geldstrafen zwischen 10.000 und 20.000 UMA (etwa 1,13 bis 2,26 Millionen Pesos) für diejenigen vor, die ihrer Verpflichtung zur Annahme oder Einforderung nicht nachkommen.
Die Einwilligung ist nach wie vor entscheidend
Obwohl das Datenschutzgesetz die Verpflichtung zur Vorlage des Dokuments festlegt, erkennt es auch an, dass die Erfassung biometrischer Daten der ausdrücklichen Einwilligung des Betroffenen bedarf.
Dies bedeutet, dass die SEGOB diese Einwilligung einholen muss, bevor sie Fingerabdrücke und Fotos erfasst oder weitergibt, und zwar im Einklang mit den in der Verfassung und im Allgemeinen Gesetz zum Schutz personenbezogener Daten im Besitz von verpflichteten Stellen (LGPDPPSO) verankerten Grundsätzen der informationellen Selbstbestimmung und des Datenschutzes.
Eine zwangsweise Umsetzung oder eine Umsetzung ohne gültige Einwilligung könnte wegen Verletzung von Grundrechten angefochten werden.
Gilt das bereits für Privatpersonen?
Im engeren Sinne besteht tatsächlich eine gesetzliche Verpflichtung, da Artikel 91 Sexies vorsieht, dass die biometrische CURP bei der Identitätsprüfung durch jede öffentliche oder private Stelle verwendet werden muss.
Allerdings ist dies noch nicht einklagbar und auch nicht strafbar. Der Grund dafür ist:
- Die Durchführungsverordnung zum Allgemeinen Bevölkerungsgesetz wurde noch nicht veröffentlicht.
- Die Module zur biometrischen Datenerfassung befinden sich derzeit nur in einigen Regionen (Veracruz, Mexiko-Stadt und der Bundesstaat Mexiko) in der Pilotphase.
- Die digitale Infrastruktur und die technischen Protokolle sind noch nicht vollständig umgesetzt.
Die Reform sah eine Frist von 90 Kalendertagen vor, die am 15. Oktober 2025 abläuft, damit die öffentlichen Einrichtungen die erforderlichen Maßnahmen ergreifen können. Da jedoch weder Durchführungsbestimmungen noch operative Systeme vorliegen, kann die Verpflichtung noch nicht umgesetzt werden.
Was kommt als Nächstes
Um die volle Funktionsfähigkeit des Systems zu gewährleisten, muss das SEGOB Durchführungsbestimmungen erlassen, in denen Folgendes festgelegt wird:
- Verfahren zur biometrischen Erfassung und Validierung.
- Formate und Verfahren der Einwilligung.
- Protokolle zur Interoperabilität zwischen Datenbanken.
- Übergangsfristen zwischen der herkömmlichen CURP und der biometrischen CURP.
- Besondere Bestimmungen für Minderjährige, Menschen mit Behinderung oder Ausländer mit Wohnsitz im Land.
Fazit: Ein notwendiger, aber noch unvollständiger Wandel
Die biometrische CURP stellt einen entscheidenden Schritt in Richtung einer digitalen Identität in Mexiko dar und hat direkte Auswirkungen auf den Schutz personenbezogener Daten, die öffentliche Verwaltung und die Beziehungen der Bürger zum Staat.
Die praktische Umsetzung hängt jedoch noch von der Veröffentlichung der Durchführungsbestimmungen und der technischen Infrastruktur ab, die den Betrieb unterstützt.
Solange dies nicht der Fall ist, sind Privatpersonen und private Einrichtungen noch nicht verpflichtet, die biometrische CURP zu beantragen, sollten sich jedoch darauf vorbereiten, dies zu tun, sobald der Rechtsrahmen in Kraft tritt.
bgbg wird die rechtlichen und technologischen Entwicklungen dieses Systems sowie deren Auswirkungen auf den Schutz personenbezogener Daten, die digitale Identität und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften weiterhin beobachten.

Für weitere Informationen schreib uns bitte an:
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